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Recht & Normen·12 Min. Lesezeit·

Ausschreibung Gebäudereinigung 2026: Leistungs­verzeichnis, das wirklich vergleichbar macht

Wer Reinigungsleistungen ausschreibt, vergleicht oft Äpfel mit Birnen. Wir liefern die Struktur eines belastbaren Leistungs­verzeichnisses inkl. Frequenztabelle, K.O.-Kriterien und Bewertungs­matrix.

Warum 80 % aller Reinigungs­ausschreibungen unbrauchbar sind

Der typische Ausschreibungs­text in der Gebäudereinigung lautet sinngemäß: *„2× wöchentlich Büropeinigung gemäß üblichen Standards, ca. 850 m².“* Auf dieser Grundlage erhalten Sie sechs Angebote zwischen 480 € und 1.420 € im Monat — und keinen objektiven Weg, diese zu vergleichen.

Das Problem ist nicht der Markt, sondern das Leistungs­verzeichnis. Ein belastbares LV enthält fünf strukturelle Bausteine, die jede Reinigungsfirma in derselben Sprache antworten lässt.

Baustein 1 — Objektbeschreibung (objektiv aufgemessen)

  • Geprüfte Netto-Reinigungsfläche (nicht Mietfläche!) in m², getrennt nach Boden­belag
  • Sanitär: Anzahl WCs, Urinale, Waschbecken, Duschen
  • Glasflächen: innen, außen, mit/ohne Hubsteiger
  • Sonderflächen: Aufzüge, Treppenhäuser, Tiefgarage, Außenbereiche
  • Tagesgang­zeiten und Zugangs­regelung
  • Verkehrs­frequenz: niedrig (Verwaltung) / mittel (Büro mit Publikum) / hoch (Empfang, Schule, Klinik)

Ohne diese Daten kann niemand seriös kalkulieren. Wer auf Basis von Schätz­werten anbietet, kalkuliert auf Sicherheits­zuschlag — Sie zahlen die Unsicherheit als Marge.

Baustein 2 — Leistungstabelle (Tätigkeit × Frequenz)

Statt Fließtext: eine Tabelle, in der jede Tätigkeit eindeutig einer Frequenz zugeordnet ist:

Bereich / Tätigkeittäglichwöchentlichmonatlichquartalsweise
Böden saugenx
Böden nass wischenx
Schreibtisch­oberflächenx
Türgriffe / Lichtschalterx
Heizkörperx
Lüftungsgitterx
WC Innenreinigungx
WC Grundreinigung Fliesen­fugenx
Sanitär Verbrauchs­material auffüllenx
Glasreinigung innenx
Spinnweben Decke / Eckenx

Diese Tabelle entscheidet über 70 % des Preises — und sie macht Angebote in zwei Minuten vergleichbar.

Baustein 3 — K.O.-Kriterien (binäre Filter)

Vor der wirtschaftlichen Bewertung filtern K.O.-Kriterien unzureichende Anbieter aus:

  • Mitgliedschaft im Innungs­verband Gebäudereiniger­handwerk
  • Tariftreue­erklärung mit konkreten LG1/LG6-Sätzen
  • Berufshaftpflicht ≥ 5 Mio € (Personen) / 1 Mio € (Sachschaden) — Police nicht älter 12 Monate
  • Aktuelle Unbedenklichkeits­bescheinigungen (SOKA, Finanzamt, BG BAU)
  • Subunternehmer-Regelung: Verbot oder Genehmigungs­pflicht
  • Nachweis mindestens drei Referenz­objekte vergleichbarer Größe und Branche
  • DSGVO-AVV-Bereitschaft bei Schlüsselverwaltung oder Datenzugang

Wer auch nur einen dieser Punkte nicht erfüllt, scheidet aus — bevor der Preis verglichen wird. Das spart Ihnen die Diskussion mit dem Einkauf darüber, warum der „günstigste“ Anbieter nicht beauftragt werden darf.

Baustein 4 — Wirtschaftliche Bewertung

Nach K.O.-Filter verbleiben typischerweise drei bis fünf Angebote. Die wirtschaftliche Bewertung erfolgt nicht über den reinen Quadratmeter­preis, sondern über eine gewichtete Matrix:

KriteriumGewichtBewertung
Pauschalpreis pro Monat40 %Niedrigstes Angebot = 100 Punkte
Reinigungs­konzept (Personal, Maschinen, Mittel)20 %Bewertung nach Plausibilität
Reklamations- und Eskalationsprozess15 %Klarheit, Erreichbarkeit, SLA
Compliance-Dokumentation (über Pflicht hinaus)15 %Quartals­bericht, Schulungs­nachweise
Nachhaltigkeit (DGNB / Mittel-Zertifizierung)10 %EU-Ecolabel, Mehrwegtuch-System

Diese Matrix verhindert das klassische „Billig-Angebot gewinnt, Reklamationen explodieren“-Muster.

Baustein 5 — Vertragsgrundlagen

Im Ausschreibungs­dokument bereits beifügen:

  • Vertragsentwurf mit Tariftreue-, Subunternehmer- und Freistellungs­klausel
  • AVV-Vorlage nach Art. 28 DSGVO
  • Eskalations­matrix (1. Reklamation → Objektleiter, 2. → Geschäfts­führung, 3. → außerordentliche Kündigung)
  • Reinigungs­plan-Vorlage mit Dokumentationspflicht
  • Indexierungs­klausel für Tariflohn­erhöhungen

Damit ist klar, dass sich der Anbieter mit der Angebotsabgabe automatisch zu diesen Bedingungen verpflichtet — keine nachgelagerten Vertragsverhandlungen, keine versteckten Streitpunkte.

Häufiger Fehler: Ausschreibung ohne Vor-Ort-Begehung

Geben Sie jedem ernsthaften Bieter die Möglichkeit zu einer 30-minütigen Begehung. Der Preis-Unterschied zwischen Schreibtisch- und Begehungs­angeboten beträgt regelmäßig 15–25 %. Wer Sie nicht persönlich sehen will, kalkuliert mit Pauschalrisiko — also teurer.

Die Antwortfrist richtig setzen

Realistisch sind 14 Werktage bei mittelgroßen Objekten (bis 1.500 m²), 3 Wochen bei Kliniken, Industrie oder mehreren Standorten. Kürzere Fristen führen entweder zu schlechten Angeboten oder zu Absagen seriöser Anbieter.

Was LevantSun in Ausschreibungen liefert

Wir bearbeiten Ausschreibungen anhand dieser Struktur und liefern standardmäßig mit:

  • Tariftreue­erklärung mit konkreten LG1/LG6-Sätzen
  • Aktuelle Unbedenklichkeits­bescheinigungen (SOKA, Finanzamt, BG BAU)
  • Versicherungs­police-Auszug
  • Drei Referenzen aus Thüringen (mit Erlaubnis zur Kontakt­aufnahme)
  • Konkreter Reinigungs­plan je Raum nach Begehung
  • Vorschlag zur Mess- und Reklamations­logik (DIN 13549-Niveau)

Damit ist Ihre Vergabe revisionsfest — auch gegenüber interner Compliance oder Wirtschaftsprüfung.

Fazit

Eine professionelle Reinigungs­ausschreibung ist kein Mehraufwand, sondern eine Versicherung gegen Fehl­vergabe. Wer Frequenztabelle, K.O.-Kriterien und Bewertungs­matrix einsetzt, vermeidet die teuren Spätfolgen: schlechte Reinigungs­qualität, Reklamationen, AEntG-Risiken, Reputationsschäden bei Mitarbeitenden und Kunden. Zwei Tage Vorbereitung sparen drei Jahre Ärger.

Häufige Fragen

Müssen Reinigungs­ausschreibungen nach VOL/A erfolgen?+

Im öffentlichen Sektor ja — je nach Auftragswert nach UVgO, VOL/A oder VgV. In der Privatwirtschaft besteht keine formelle Pflicht, die Struktur einer VOL-A-Ausschreibung ist jedoch auch hier ein bewährter Standard und reduziert das Risiko intransparenter Vergabe-Entscheidungen.

Wie viele Anbieter sollte ich anschreiben?+

Drei bis fünf qualifizierte Bieter sind optimal. Mehr als sieben verursacht Streuverluste und führt häufig zu schlechteren Angeboten, weil seriöse Firmen nicht in Massen-Ausschreibungen einsteigen. Weniger als drei verhindert echten Wettbewerb.

Wie viel günstiger ist ein 'gut ausgeschriebener' Auftrag?+

In unserer Erfahrung liegt der Preisunterschied zwischen einer strukturierten Ausschreibung mit Begehung und einer Pauschal­anfrage bei 12–22 % zugunsten des Auftraggebers — bei gleichzeitig deutlich höherer Reinigungs­qualität, weil Frequenzen und Verantwortlich­keiten verbindlich geregelt sind.

Wie behandle ich abweichende Angebote (z. B. mit Zusatz­leistungen)?+

Bestehen Sie auf der Beantwortung des LV als Pflichtangebot. Zusatz­leistungen dürfen als 'optional' separat angeboten werden, fließen aber nicht in den Hauptpreis ein. So bleibt die Vergleichbarkeit gewährleistet, ohne kreative Ergänzungen zu blockieren.

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